Was Sexworker nachts wach hält

30. Oktober 2017 Allgemein

Wie reagieren die Freunde? Sag ich es zuhause? Auch wenn für mich mein Beruf etwas ist worauf ich stolz bin, ist es bis heute immernoch komisch fremden davon zu erzählen, dass ich mit Sex mein Geld verdiene. Trotz Outing ein langer Weg. Was so ein Outing im Einzelnen bedeutet erzählen euch drei Kolleginnen von mir, die alle sehr unterschiedlich in ihrem Umfeld damit umgehen.

 

Von Gummis und Pimmeln – eine Anleitung

13. Juni 2017 Allgemein

Kondome sind in der Sexarbeit immer ein großes Thema. Damit es vielleicht etwas einfacher wird habe ich ein Video dazu gedreht. Auch wenn du schlechte Erfarungen gesammelt hast, gibt es tricks und Wege, wie Man(n) dennoch den Frieden mit den kleinen Überziehern finden kann.

00Sex – Was Agenten und Huren gemein haben

8. April 2017 Allgemein, Vorlieben

Die Gelegenheit, zu denen ich etwas schreibe werden immer seltener, aber immer besser! … und immer politischer. Wie ich das ändern kann überlege ich mir schon…!
Ich möchte mich für eine tolle Zusammenarbeit bedanken. Zusammen mit Laura-Solmaz Litschel von ragazza e.V., Norbert Holzt und der Friedrich Ebert Stiftung konnten wir in dieser Woche vor 100 Menschen aus NRW etwas von der Situation der Sexarbeiter berichten. Vielen Danke, es hat viel Spaß gemacht!


Kleiner Exkurs
In der Branche ist es eine wahre Seltenheit, vor allem unter den kinderlosen Kolleginnen wie mir, aber ich bin eine Frühaufsteherin und mein Arbeitsalltag beginnt um 6.30 Uhr in der Früh. Bereits in den ersten 15 Minuten des Tages halte ich mein Smartphone in der Hand und verschaffe mir eine Übersicht, was seit dem Abend in meinem Postfach passiert ist. Nach dem morgendlichen Ritual und einer Übersicht meiner Termine und Aufgaben mache ich mich daran den Emailwahnsinn zu bezwingen. Oft dauert es 1 Stunde, manchmal aber auch länger bis ich meine Mails durchgearbeitet und beantwortet habe.  Anders als meine Kolleginnen die mit Kontaktanbahnungsverbot arbeiten, kann ich mir alle Zeit lassen die ich brauche, um zu überlegen ob ich einen Gast möchte oder ihn lieber ablehne. Ich brauche meist nur wenige Minuten dafür. Es sind wenige Minuten in denen ich hoch konzentriert und wachsam meinen Katalog an Bedingungen für und wieder ein gemeinsames Treffen abhake.
Noch vor 1,5 Jahren waren es die Hotels rund um die Alster in denen ich nachts meinen Unterhalt verdient habe, heute arbeite ich in einer Wohnung für mich allein. Kurze Wege, mein eigener Putzplan und mein Händchen für Inneneinrichtung, doch das Wichtigste: Ich habe meinen eigenen Arbeitsplatz und kann bequem am Tag mein Geld verdienen.

Ab 9 Uhr empfange ich meine Gäste und bin telefonisch zu erreichen. Fred ist ein Gast, der um 8.30 Uhr anruft, auch wenn er mich zu dieser Zeit noch nie erreicht hat. Warum er nach 2 Jahren immer noch versucht mich um die Zeit zu erreichen? … ich weiß es nicht. Um Punkt 9 Uhr schreibe ich ihm eine SMS: “Moin Fred, möchtest du mich mal wieder besuchen?“ Er schlägt mir dann 2 Termine vor und ich bestätige: “Freitagnachmittag passt super!” Ich sende “Liebe Grüße und eine gute Zeit bis dahin.” Am Telefon braucht Fred 15 Minuten dafür. Ja Sie vermuten richtig: Fred gehört zu den Gästen die besondere Aufmerksamkeit benötige, die anspruchsvoll im Umgang sind oder wie ich es einfach sage: Fred nervt! Er sabbelt viel und gerne, meistens über Dinge die mich gar nicht interessiere. Er möchte am liebsten immer mit den Dingen spielen die gerade nicht im Angebot sind und viele meiner Sätze gehen so: Nein Fred, wir benutzen wie schon die letzten 2 Jahre ein Kondom. Nein Fred ich möchte nicht, dass du in meinen Wohnzimmerschränken herum stöberst. Nein Fred, wir haben einen höheren Preis abgemacht. Er braucht es stetig Grenzen gesetzt zu bekommen, ähnlich einem Kleinkind. Der ausgelassene Sex mit ihm macht mir aber viel Spaß. Mit viel Aufmerksamkeit und beharrlichen Durchsetzungsvermögen meinerseits sind mir unsere Treffen angenehmer als ein Tag mit Aircondition im Großraumbüro. Er ist sauber und gepflegt, immer pünktlich und bucht meist für mehrere Stunden. Glauben sie mir Gäste in Schach zu halten ist möglich, mit simplen Strategien, die die meisten Frauen bereits vor der Sexarbeit erlernen. Ich gebe zu, manchmal ist es sehr anstrengend und nach einem Termin mit Fred bin ich müde und möchte einfach nur meine Ruhe, darum trage ich meinen Feierabend gleich nach seinem Termin ein. Nein zu sagen und auf sich acht zu geben ist kein Privileg der Frauen die ihre Dienste für 250 Euro oder mehr an den Mann bringen. Nein zu sagen ist ein Grundrecht!
Aber eigentlich möchte ich Ihnen nicht erzählen, wie mein Job funktioniert. Viel lieber möchte ich davon erzählen, wie es nach meiner Arbeit zugeht. Den auch wenn ich zuhause arbeite: nach einer Dusche und frischer Bettwäsche, mache ich mein Handy aus, ziehe mir etwas bequemes an und schaue mir eine serie auf Netflix an. Etwas anderes als bei Ihrem Feierabend beginne ich zum Feierabend auf einen anderen Namen zu hören und -ich bin nicht stolz darauf- aber ich lüge als Hure nach Feierabend so viel wie in meinem ganzen Leben nicht.
Ich möchte Ihnen von den Schattenseiten erzählen, die der Beruf Prostituierte mit sich führt. Ich möchte von der Einsamkeit und der Ausgrenzung sprechen, die ein gesamter Berufsstand erlebt und von dem reale Leidensdruck und wo er wirklich stattfindet. Es sind nicht die Männer denen wir begegnen, die wir fürchten. Wir fürchten uns vor den Reaktionen der Gesellschaft und derer die uns am Nächsten sind.

Der einfache Weg
Noch vor meinem aller ersten Auftrag lernte ich 2 Kolleginnen bei einem Footoshoting kennen. Wir wurden für unser Profil abgelichtet und wurden geschminkt, frisiert, gestylt. Während wir uns umzogen hörte ich den beiden zu, stellte meine Fragen an sie und in Nebensätzen klang bei den beiden mit, dass irgendjemand aus ihrem Umfeld nicht mehr mit ihnen sprach oder wie sie es geheim halten, dass sie als Hure arbeiten. In den letzten 3 Jahren hörte ich mit jeder Kollegin die ich kennenlernte, eine weitere traurige Geschichten über Verlust. Über Kontaktabbrüche in Familien, die Kündigung der Wohnung und dem Ende von Freundschaften. Manchmal hörte ich abenteuerliche Geschichten von improvisierten Flunkereien bis zu hollywoodreifen Einlagen um den Job als Hure vor Freunden, Familie und anderen Arbeitgebern zu verschweigen.
Damals ahnte ich, was für Zusammenhänge dazu führten. Bereits bei meinen Überlegungen im Vorfeld las ich Artikel, Blogbeiträge und Kommentare. Dort las ich von fürchterlichen Geschichten die Frauen in der Prostitution zustoßen und ich konnte es mich nicht vorstellen. Den ich sprach mit Sexarbeitern und machte meine eigenen Erfahrungen als Sexarbeiterin und sie hatten nichts damit zu tun. Mir begegnete keinen Zwang, kein Ekel und ich sah auch keine Gewalt. Ich konnte es nicht zusammen bringen was diese Bilder und meine gemein haben sollen. Noch weniger konnte ich es anderen Menschen um mich herum erklären. Ich gebe zu ich wählte den einfachen Weg und entzog mich diesen Konfrontationen mit Lügen.

Meine Lügen begannen morgens beim Brötchen kaufen, wenn mich Sammy fragt, warum ich heute so verschlafen aussehe. Ich log, ich habe schlecht geschlafen, statt ehrlich zu sagen, dass die Nacht lang und arbeitsreich war. Bei Freunden und Bekannten flunkterte ich, wenn ich nicht auf ein Bier vorbeikkam, weil ich ein Date hatte oder ich belüge meinen Kollegen im Nebenjob, was mir immer wieder Bauchschmerzen verursacht. Bei Partys, beim Grillen, am See … ich hatte immer im Hinterkopf, wem hat man was gesagt? Kennen die sich und haben gegensätzliche Informationen??  Ist mir irgendwo ein Fehler unterlaufen??? Die Angst ist groß, allgegenwärtig und wird auf Dauer zu einer riesigen Belastung. Für die Frauen die ihre Dienste am Hansaplatz anbieten ebenso wie die die im Luxushotel arbeiten. Wie ein Agent schlich ich mit meiner Legend durch mein Leben, immer wieder sogar durch mein Zweites. Für den Kopf und das Herz werden soziale Interaktionen zu einem anstrengenden Hindernisparcour.

Auch untereinander ist der Umgang mit Kolleginnen häufig distanziert und einige wollen bewusst keinen Kontakt zu anderen Sexworkern. Bei vielen passen Lebenswelten nicht zusammen. Am Tag Mami sein und nachts im Bordell arbeiten passt nicht gut zur jungen Studentin, die ihre Semestergebühren bezahlen muss und sich auf Events ihr Gäste angelt. Bei anderen soll das Thema einfach nicht noch mehr Raum einnehmen. Denn auch diese Treffen müssen vor Freunden und Familie verheimlicht werden. Noch eine Person, deren Name nicht unüberlegt fallen darf…Ein Doppelleben zu führen ist sehr anstrengend und verändert die Identität. Ich habe meine Belastungsgrenze nach etwas mehr als einem Jahr gefunden, manch andere begleitet diese Angst durch viele Berufsjahre.

Das Outing
Mit der Zeit viel mir das Lügen immer schwerer und das Korsett in das ich mich selbst geschnürt habe schnitt mich immer mehr ab. Ich wollte die Distanz zu den Menschen um mich herum abbauen und ich sein können. Als eine lebensbejahende Person, die das Stadtleben mag, gerne Blumen kauft und ihren Unterhalt mit Sex verdient. Ich liebe selbst gekochtes Essen, fotografiere gerne und verabrede mich mit meinem Smartphone zu Sex mit fremden Männern. Es ist mir ein Bedürfnis meine Erfahrungen bei all diesen Dingen mit anderen Menschen zu teilen, mit Respekt behandelt zu werden und anderen dabei zu helfen sich mitzuteilen. Es gab diesen Punkt, an dem ich begriff, dass ich mit all den Lügen nichts mehr unbeschwert erleben kann und mich immer mehr von den Menschen in meinem privaten Umfeld zurück zog und immer weniger Menschen in mein Leben hinein lies. Das wollte ich ändern. Ich fasste den Entschluss mich zu outen und mein Weg begann vor fremden Personen. Eine politisch aktive Kollegin sprach mich an, ob ich vor ein paar Teilnehmern etwas von meiner Arbeit berichten möchte. Es waren Bildungsurlauber und Urlauberinnen aus der Verwaltung vor die ich trat und aussprach: Ich verdiene mit Sex mein Geld und beantworte ihnen gerne ihre Fragen rund um das Thema.
Ihre Fragen halfen mir zu verstehen, was andere Menschen über den Beruf und die Menschen denken und mit welchen Attributen sie Nichtwissen füllen. Dadurch fand ich heraus, wie ich ihnen meine Welt und Erfahrungen näher bringen kann und es half mir die Befürchtungen und Unsicherheiten der Absender zu verstehen. Darüber reden zu können und Gehör zu finden war auch eine wichtige Erfahrung. Wenn ich mich den Fragen der Menschen stellte, gibt es immer wieder auch Begegnungen mit Menschen die ein stereotypes Bild von einer Prostituierten haben und Sexarbeiter unbedingt dort hinein zwingen wollen. Danach muss ich eine Frau sein die immer passiv ist und die nicht in der Lage ist mit klarem Verstand für sich einzustehen. Die Wahl des Lebensentwurfs als “selbstständige” Sexarbeiterin ist bedauernswert und findet in einem Rahmen statt, der gefährlich und kriminell ist! Natürlich versuche ich bereits am Anfang einzugrätschen: Stopp! Du gehst davon aus, dass ich Probleme habe, die nicht da sind. Ich mag bezahlten Sex, natürlich kann ich mich einem Mann gegenüber durchsetzen und möchte mich nicht ständig dafür rechtfertigen, dass ich mein Leben so lebe, wie ich es lebe. Doch manche sind nicht zu überzeugen. Sie sind angewidert von der Art, wie ich meine Sexualität lebe und gestalte, sie bezweifeln offen meinen Geisteszustand und Entscheidungsfähigkeit und werfen mir vor, mein Lebensentwurf verdebe ein, nein gleich beide Geschlechter.

Es ist das eine sich vor fremden Menschen aus fremden Städten zu offenbaren und ihre Reaktionen zu ertragen, als die der eigenen Freunden und Verwandten und ich schob es noch ein paar Monate auf mit meinem Vorhaben. Als ich mich dann endlich dazu durchrang gab es großartige Reaktionen und Menschen. Manche waren interessiert und offen dafür.. es waren 2 Menschen. Es waren zwei weitere Menschen die mir mit ihrer Reaktion wirklich sehr weh getan und unsere Wege führen seither voneinander weg.
Sie fragte, ob es nicht ekelhaft sei mit all den Männern. Sie könne es sich nicht vorstellen und dann auch noch eine “Arbeit” daraus machen? Nein, das ist unvorstellbar eine Unmöglichkeit und ich müssen doch verrückt sein so etwas zuzulassen.
Er sagte, dass er es mir einfach nicht glauben werde, dass mich keiner meiner Gäste schlägt. Einer von ihnen habe mich sicher misshandelt und wahrscheinlich erfahre ich immer wieder Gewalt. Das es anders sei, könne er sich nicht vorstellen und es sei eine Unmöglichkeit. Ich müsse von Sinnen sein so etwas zulasse.
Überzeugt, ich sei krank oder in Gefahr bot mir keiner der beiden Hilfe an sondern sie sagten nur, dass das was ich da mache schlecht für mich und alle anderen sein. Egal ob sie mich seit 7 Jahren oder er mich seit 7 Wochen kennt, sie sind davon überzeugt mir, meinen Worten und Entscheidungen nicht trauen zu können und nicht Neues mehr durch mich zu erfahren. Sie wissen bereits, was mich und meine Arbeit auszeichnet. Was auch immer ich sage sie sehen nicht mehr mich, sondern ein verzerrtes Bild, einer Frau, mit der sie reden können, wie es ihnen beliebt. Verrückte, Lügnerin, Verräterin. Unwürdig, ahnungslos, missbraucht. Ekelhaft, schmutzig, unmoralisch! Das sind die Attribute, die Menschen immer wieder benutzten um mich und meine Arbeit zu beschreiben und ihr Unwissen zu füllen.

Mein Outing war auch auf anderen Ebenen eine Enttäuschung. Anders als gedacht lüge ich immer noch. Wesentlich seltener als zuvor, aber es kommt immer noch vor, wenn ich vermeiden möchte das Hauptthema der Küchenparty zu werden oder im Zug neue Leute kennenlerne. Auf die Frage was machst du so antworte ich schnell „ich sitze hier rum“ und lenke auf ein anderes Thema.
Was mir der ganze Aufriss gebracht hat? Ich habe mir meine Selbstachtung zurückgegeben und ich habe nein gesagt, nein zu veralteten Vorstellungen passiver weiblicher Sexualität, nein zum Bild der Hure als Missbrauchsopfer und nein zu den Menschen, die mir mein Leben vorschreiben wollen und sich moralische Urteile darüber erlauben. Sonst gibt es niemanden, der das für mich tut und darum hat es sich trotz aller Enttäuschung, Verurteilung und Ablehnung gelohnt. Es hat sich gelohnt, weil mir 2 Menschen geblieben sind, die mich in meinen Entscheidungen unterstützen und mir zuhören und weil ich nach allem der Überzeugung bin das Richtige mit meinem Leben anzufangen.

Ich wollte Ihnen etwas über die Schattenseite der Prostitution berichten und hoffe, Sie haben einen plastischen Eindruck bekommen. Prostitutionsgegner weigern sich darüber zu sprechen, sind sie doch Teil dieses Problems und in der Branche schweigen wir uns gerne über diese alltäglichen Demütigungen aus. Aus Scham, Trauer oder aus Angst. Wie eingangs erwähnt, trifft dieses Wundmal, das Stigma, das anders sein, nicht nur Frauen die in prekären Situationen arbeiten, sondern es betrifft die breite Mittelschicht, ebenso wie das HighClass Segment. Es überschattet unsere Leben während der Arbeit, im Feierabend und nach dem Berufsausstieg!
In den Verwaltungen der Länder arbeiten viele an der Umsetzung eines Gesetzes, dass unsere Situation weiter verschärfen wird. Es liefert uns keinen Schutz vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, wenn unser Doppelleben auffliegt und auch keinen Schutz davor, dass andere uns wie Menschen 2. Klasse behandeln. Es liefert keinen Schutz vor einem Staat, der dieses Leid mit Ausweisen und Registrierung befeuert. Wir wollen keine Post von Behörden nach hause bekommen, in dem steht, dass wir Prostituierte sind. Wir wollen auch nicht in Registern auftauchen und befürchten, dass wir bei Sorgerechtsstreitigkeiten, bei der Berufswahl oder bei den Plänen welche wir auch immer verfolgen, diesen Teil unseres Lebens in den Mittelpunkt und uns aus dem sozialen Leben zerren.

Ich wollte meinen Vortrag mit einer positiven Aussage beenden und überlege seit der ersten Anfrage vor ein paar Monaten, wie ich das anstellen soll. Heute morgen um 6.35 Uhr habe ich es aufgegeben. Als Sexarbeitende, Privatperson und als politisch Aktive bleibt mir nur eines zu sagen: Das beste, was sie für die Menschen in der Sexarbeit tun können ist dieses Gesetzt nicht umzusetzen! Auch wenn Sie diesem Ungehorsam nicht nachgeben können, nutzen sie bitte die Schlupflöcher, die es bietet und haben sie im Hinterkopf, dass Anonymität und Datenschutz uns am meisten nützen.

 

Ein Zeitloser Klassiker – Stille!

10. Januar 2017 Allgemein

„Wir möchten etwas zum Thema Stille machen und ich habe bereits mit einer Sprengmeisterin und einem Dirigenten gesprochen. Hättest du auch Lust über die Stille in deinem Job zu sprechen? …“ fragte mich Julia Bernewasser im Dezember. Eine Frage die ich so selten gestellt bekomme und über die ich mich um so mehr gefreut habe!
Nachdem ich im vergangenen Jahr immer wieder zum Schweigen verdonnert wurde, freue ich mich wirklich etwas über meine Arbeit sagen zu dürfen und soo viele Menschen damit erreichen zu können.  Ich gebe zu, kein Beruf wie jeder andere, wie viele andere Beruf auch..aber lest selbst:

Josefa Nereus, 30, ist seit drei Jahren Prostituierte in Hamburg

„Zwischen zwei fremden Menschen gibt es immer so eine Barriere, die es zu durchbrechen gilt. Deshalb versuche ich herauszufinden, in welcher Stimmung mein Gast ist. Ich schaffe eine schöne Raumatmosphäre. Ich dunkle das Zimmer ab, mache Kerzen an, stelle Blumen auf. Auf dem Bett liegen ganz viele Kissen. Nichts Klischeehaftes. Kein Plüsch oder Leopardenmuster. Im Hintergrund läuft Musik, aber eher Richtung Fahrstuhlmusik. Ich finde, sie unterstreicht die Ruhe im Raum.

Intimität und Stille gehören für mich zusammen. Angenehm und wohlig sollte die Stille sich anfühlen. Kommt ein Mann zu mir, führen wir anfangs nur ein bisschen Small Talk. Wie war dein Tag? Wo kommst du her? Meine Kunden haben total unterschiedliche Hintergründe und Biografien. Handwerker und Lokführer sind darunter, aber auch Berufspolitiker oder Akademiker.

Sobald wir uns ausziehen, nackt gegenüberstehen und uns berühren, herrscht eine intime Stille. Die empfinde ich als sehr schön und entspannend. Man muss nicht mit Worten kommunizieren. Der Körper gibt genügend Feedback.

Ich achte darauf, wie der Gast auf Berührungen reagiert, wie er stöhnt. Die Stille muss sich gut anfühlen. Wenn nicht, dann passt es menschlich nicht. Es ist schon vorgekommen, dass mir jemand einfach unsympathisch war, dass wir nicht zueinandergefunden haben. Dann breche ich ab. Sonst ist es für beide Zeitverschwendung.

Nach dem Sex erlebe ich einerseits Männer, die sehr wortkarg sind, ins Bad verschwinden, sich schnell wieder anziehen. Die verabschieden sich meist nur noch kurz oder fragen, ob sie wiederkommen dürfen.

Andere Männer – und das ist eher die Regel – bleiben noch ein bisschen im Bett liegen. Und dann führen wir tatsächlich manchmal sehr tiefgründige Gespräche. Die haben das Bedürfnis zu reden. Sie erzählen mir, warum sie beruflich gestresst sind, was sie zu Hause sexuell vermissen, warum sie sich nicht mehr geborgen fühlen. Ich bin ein guter Zuhörer.

Nach etwa einer Stunde verlässt der Gast meine Wohnung. Zwischen einer halben und einer Stunde brauche ich dann für mich alleine. Da mag ich es gerne sehr still. Ich schalte die Musik aus und reflektiere das Erlebte: Was habe ich über den Körper erfahren, was über Vorlieben von Menschen? Und wie ging es mir selbst damit? Kann ich mir vorstellen, diesen Mann wiederzusehen?

Dann erst bereite ich mich auf den nächsten Gast vor, schaue mir meine Notizen aus dem Vorgespräch an, putze meine Zähne, wasche mich. Manchmal ziehe ich auch schon bestimmte Kleidung an, die sich der Gast gewünscht hat. Oder ich bereite die Fesseln vor.“

Für den gesamten Artikel klickt einfach HIER.

Hoppla …

14. Dezember 2016 Allgemein

… nun ist es schon wieder passiert und ich habe tatsächlich etwas geschrieben. Dieses Mal für den BesD Blog, den ich sehr empfehlen kann. Wer also einmal hinter die Kulissen schauen möchte erfährt hier wie sich der Arbeitsalltag einer Sexarbeiterin gestalten kann.

Ein Filmtipp: SEXarbeiterin mit Lena Morgenroth

19. Mai 2016 Allgemein

 

Zum ersten Mal hörte ich von dem Filmprojet „SEXarbeiterin“ Ende 2014, als ich auf diesen Aufruf stieß. Die Sexarbeiter Lena Morgenroth und das Team um Sobo Swobodnik bewarben auf witzige Art und Weise ihre Idee und machten neugierig auf einen vielversprechenden Film. Ich bin fasziniert von der Achtsamkeit und dem Mut sich dem Thema in einer Dokumentation zu nähern, das Projekt durch Sexarbeit zu finanzieren und war sofort gespannt auf die Einblick, den der Film auf Lenas Lebensentwurf wirft. Im März 2016 durfte ich zusammen mit anderen dann endlich das fertige Werk bewundern. Für das lange Warten wurden die Zuschauer sehr belohnt. In ruhiger Weise ist ein Porträt entstanden indem eine junge Frau ihren Weg gefunden hat ihr Leben freie und selbstbestimmt zu gestallten. Das beinhaltet in Lenas Fall, viel Bahn fahren, kochen und essen mit lieb gewonnenen Menschen und das genießen von Körperlichkeit mit verschiedenen Männern und Frauen.

Ich persönlich freue mich sehr darüber, dass auch die schönen Seiten der Sexarbeit gezeigt werden und hoffe, dass Lena mit ihrer Arbeits- und Lebensweise als Vorbild verstanden wird, wie das Ziel Sexarbeit gestallten werden kann:  Menschlich, warm und für alle Beteiligten befriedigend!

In Hamburg können wir das Werk am 02.06.2016 ab 17.30 Uhr im B-Movie in der Brigittenstraße 5 – im Hinterhof bewundern. Danach sind alle herzlich eingeladen ihre Fragen u.a. an mich zu stellen und an einer regen Diskussion teilzunehmen. Wir freuen uns auf euren Besuch.

 

Frivoles Ausgehen

11. April 2016 Allgemein, Vorlieben

Stell dir vor …

… du bist unterwegs und plötzlich haucht dir eine aufregende Frauenstimme etwas ins Ohr. Ich bin direkt hinter dir und erzähle dir davon, wie ich gelangweilt umher sah und dich entdeckte. Lass dir nichts anmerken, während ich dir erzähle, wie meine Hand unter meinen Rock schlüpft. Ich berühre mich zärtlich. Um uns herum sind ahnungslose Menschen, aber DU riechst mein Parfüm, spürst mein zartes Stöhnen in deinem Nacken … so nah bin ich dir und …

Stell dir vor …

… du, ich und eine kleine Fernbedienung in einer Bar. Entspannte Musik, wir unterhalten uns angeregt, nippen genüsslich an unseren Drinks und du betätigst den Regler … du setzt den Impuls für gute Vibes, die meinen Schoss, meine Brust und meinen Kopf durchströmen.

Mit einem wissenden Lächeln betasten wir uns vorsichtig und..

Stell dir vor …

… wir sind auf dem Weg ins Restaurant. Seit unserer Begrüßung fragst du dich, wo unter diesem kleinen schwarzen noch Platz für Dessous ist. Es lässt dich nicht los und du beobachtest meine Rundungen beim gehen, sitzen und lachen. Ob ich mein Geheimnis mit dir teile oder du es selbst herausfindest und..

Sexarbeit – Motivation, Arbeitsmodelle und Selbstverwirklichung

7. März 2016 Allgemein

Hinter dieser Überschrift steckt mein Vortrag zum Sexarbeits-Kongress 2016. Gleichzeitig ist mir ein intimes Portrait meiner Vorstellung von Sexualität gelungen. Ich bin sehr glücklich, dabei gewesen zu sein, um anderen von den schönen und positiven Seiten der Sexarbeit berichten zu können.

Motivation

Seit meiner ersten Masturbation gehört Sexualität in all ihren Formen zu meinen liebsten Beschäftigungen. Ich bin bis heute fasziniert von der Intensität und Vielfältigkeit, die das Thema bereithält. Der Kontakt zu Menschen, der Flirt und der Akt an sich sind für mich ein Vergnügen, dem ich mich gerne tagtäglich hingebe. Dabei möchte ich mich nicht auf einen Partner beschränken, sondern genieße mit wechselnden Partnern wechselnde Praktiken und Einflüsse. Keinem anderen Thema schenke ich so gerne meine Hingabe und meine Zeit. Als Mensch, der gerne viel Verkehr hat, muss man einiges an Zeit investieren. Besuche in Bars und Clubs, das Pflegen von Profilen auf Kontaktbörsen, endlose Gespräche mit potenziellen Sexualpartnern. Nicht zu vergessen: der Sex natürlich. Es bedeuten einen immensen Zeitaufwand, der neben einem regulären 40 Stunden Job kaum zufriedenstellend zu bewältigen ist. Eines kam in meinem Leben meist zu kurz. Zu meinem Nachteil war es meine eigene Sexualität. Oft hörte ich von anderen: „Warum nimmst du denn nicht gleich Geld dafür?“ und auch wenn sie es nicht so meinten: Es war für mich die perfekte Geschäftsidee! Lasse ich mich für den Sex bezahlen, den ich eh habe, kann ich es mir erlauben, weniger zu arbeiten und habe auf diese Weise mehr Freizeit.

Arbeitsmodelle

Die Sexarbeit bietet viele Arbeitsmodelle, die es ermöglichen, sich seine Arbeit flexibel an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. So stand ich zunächst vor einem Katalog von Fragen: Möchte ich lieber alleine oder mit anderen arbeiten, möchte ich mein Marketing selbst in die Hand nehmen oder an eine Agentur abgeben. Lieber am Tag oder in der Nacht arbeiten? Wo möchte ich überhaupt arbeiten? Auf der Straße, in einer Wohnung, in einem Bordell oder in Hotels. All diese Freiheiten standen und stehen mir zur Verfügung. Ich bin Selbstständige, eine Freiberuflerin und als solche niemandem unterstellt oder weisungsgebunden. Ich versichere mich selbst, zahle Steuern und entscheide, wann ich welche Anfragen nach welchen Kriterien annehme. Als Sekretärin, Mediengestalterin oder Entwicklerin konnte ich nicht frei entscheiden und wurde von Kunden, Vorgesetzten oder Kollegen schlecht behandelt. Ich konnte nicht wie heute meinem Ärger Luft machen und diese Personen auf meine Blacklist verbannen. Kaffee holen, Egos hätscheln oder die Visionen anderer umsetzen, dass gehörte in diesen Berufen zu meinem Alltag. Ich versichere ihnen, dies alles gehört nicht zu meinen bevorzugten Tätigkeiten. Ich verdiente mit diesen Berufen zu wenig, um mir die Freizeit gönnen, die ich möchte und ich erhalte nicht die Befriedigung, die ich mir von meiner Arbeit wünsche.

Selbstverwirklichung

Befriedigung, ein gutes Stichwort: Geld auf den Tisch, rein raus und abspritzen? Weit gefehlt! Als Sexdienstleisterin habe ich die Möglichkeit, Menschen dabei zu helfen, ihre Bedürfnisse nach Entspannung, Zärtlichkeit und Sexualität zu erfüllen. Ich spende ihnen Lebensfreude und Vitalität und in den meisten Fällen bekomme ich diese von ihnen zurück. Zum Beispiel von einem Geschäftsmann, der 60 Stunden in der Woche arbeitet und als Nomade durch die Welt reist. Er wünscht sich eine sinnliche Frau, die ihm die Nacht versüßt und darum ruft er mich an. Wir gehen aus und dabei bemerke ich, wie mein Gegenüber immer mehr zur Ruhe kommt. Er nimmt eine entspannte Körperhaltung ein und sein Lachen wird herzlich und unbekümmert. Wir verbringen einige schöne Stunden und gehen rechtzeitig schlafen, denn am nächsten Morgen hat er einen wichtigen Termin. Vor dem Aufstehen legt er sich in meine Arme und genießt einige Momente der Ruhe und Erholung, bevor er sich auf seinen Tag vorbereitet. Noch bevor wir uns verabschieden, betrachte ich seine Erscheinung, zupfe hier und da seinen Anzug zurecht und sage ihm, dass er umwerfend aussieht und an diesem Tag nichts schiefgehen kann. Am späten Abend bekomme ich eine SMS: „1000 Dank für die tolle Zeit! Der Tag verlief mehr als erfolgreich!“

Immer wieder arrangieren sich Männer damit, dass ihre Partnerinnen kein Interesse mehr am Sex haben oder die sexuellen Wünsche nicht übereinstimmen. Einer von ihnen wendet sich an mich, da ihm meine Ausstrahlung gefällt. Nach einem Telefonat ist er sich sicher, mit einer sexuell kompetenten Frau lustvolle Stunden zu erleben. Bei seinen Fantasien stehe ich ihm zur Seite, kann ihm die Grenzen des Machbaren aufzeigen und meine Kreativität und Lust einbringen. Er verschwand nach unserem Spiel im Badezimmer und pfiff dort ausgelassen ein Lied unter der Dusche. Nach einigen Wochen schrieb er mir, dass es ihm sehr gut getan hat, Zeit mit mir zu verbringen und er in seinem alltäglichen Leben mehr Ruhe gefunden hat. Ihm ist jetzt bewusst, dass er mir seinen Bedürfnissen nicht mehr alleine ist. Es gibt  Personen, mit denen er sie teilen kann.

Sie sehen, es geht nicht nur um Sex! Es geht um tiefe Bedürfnisse, Emotionen und Menschlichkeit. Die Menschen schenken mir ihr Vertrauen, um sorgsam mit ihren intimsten Wünschen umzugehen. Diese Wünsche sind selten abgedrehte Fantasien, sondern Spiele des ganz normalen Spektrums menschlicher Sexualität. Ich hole sie ab, wenn sie nach einem Tag gestresst sind, frustriert nach einer gescheiterten Beziehung oder sie unsicher sind, was ihre eigenen körperlichen Bedürfnissen angeht. Zusammen mit ihnen erarbeite ich Szenarien, in denen sie sich auf sich fokussieren könne, sich und ihren Körper spüren dürfen und fern von den wertenden Blicken der Gesellschaft loslassen und sie einfach sie selbst sein dürfen. Viele meiner Kunden nehmen dieses Gefühl mit in ihren Alltag hinein und werden ruhiger, ausgeglichener, fröhlicher. Etwas, das ich als Mediengestalterin, Sekretärin oder Entwicklerin nicht geschafft habe. Ich mache andere Menschen glücklich und zufrieden mit meiner Arbeit, während ich selbst glücklich und zufrieden mit meiner Arbeit bin!

Es war mir eine große Freude mit diesen Worten ein Teil des Kongresses gewesen zu sein und die Möglichkeit genutzt zu haben, Stimme zu ergreifen. Besonderen Dank an Johanna Weber!

Der Ton macht die Musik

25. Februar 2016 Allgemein

Auch als Escort pflege ich mein Faible für Technik und nehme mein liebstes Spielzeug immer mit mir.  Es versetzt mich und meine Umgebung in Schwingung und verbreitet stets gut Laune. Ich rede natürlich vom Bose SoundLink Mini! Einem kleinen Bluetooth Lautsprecher, der mit seinen kompakten Maßen in jede Tasche oder Reisegepäck passt und dessen Klang mehr als überzeugend ist. Perfekt um jedes Zimmer nach Lust und Laune in ein kleines französisches Bistro oder eine verruchte Bar zu verwandeln. Bereit die Hüften schwingen zu lassen?

Josefa goes Sexarbeits-Kongress

8. Februar 2016 Allgemein

Im letzten Jahr durfte ich viele liebe Kolleginnen kennen lernen und feststellen, wie sich ein paar von ihnen bemühen, transparent und offen ihren Lebensstil darzustellen und für andere greifbar zu machen. Ein reger Austausch begann und eröffnete mir unheimlich vielfältige Perspektiven auf den Lebensentwurf „Hure“ und ich bin begeistert von all den Möglichkeiten, der Hilfestellung und der Kollegialität, die ich gefunden habe.

Ich freue mich darauf, viele von ihnen vom 02.-04.März 2016 in Hamburg auf dem Sexarbeits-Kongress wieder zu treffen, ihre Projekte zu bewundern oder ihren Vorträgen zu lauschen. Vielleicht auch dich, wenn wir für alle zugänglich über die momentane Situation der Sexarbeit sprechen oder am Abend die Eindrücke und Erkenntnisse des Tages gemeinsam reflektieren.