Ein Zeitloser Klassiker – Stille!

10. Januar 2017 Allgemein

„Wir möchten etwas zum Thema Stille machen und ich habe bereits mit einer Sprengmeisterin und einem Dirigenten gesprochen. Hättest du auch Lust über die Stille in deinem Job zu sprechen? …“ fragte mich Julia Bernewasser im Dezember. Eine Frage die ich so selten gestellt bekomme und über die ich mich um so mehr gefreut habe!
Nachdem ich im vergangenen Jahr immer wieder zum Schweigen verdonnert wurde, freue ich mich wirklich etwas über meine Arbeit sagen zu dürfen und soo viele Menschen damit erreichen zu können.  Ich gebe zu, kein Beruf wie jeder andere, wie viele andere Beruf auch..aber lest selbst:

Josefa Nereus, 30, ist seit drei Jahren Prostituierte in Hamburg

„Zwischen zwei fremden Menschen gibt es immer so eine Barriere, die es zu durchbrechen gilt. Deshalb versuche ich herauszufinden, in welcher Stimmung mein Gast ist. Ich schaffe eine schöne Raumatmosphäre. Ich dunkle das Zimmer ab, mache Kerzen an, stelle Blumen auf. Auf dem Bett liegen ganz viele Kissen. Nichts Klischeehaftes. Kein Plüsch oder Leopardenmuster. Im Hintergrund läuft Musik, aber eher Richtung Fahrstuhlmusik. Ich finde, sie unterstreicht die Ruhe im Raum.

Intimität und Stille gehören für mich zusammen. Angenehm und wohlig sollte die Stille sich anfühlen. Kommt ein Mann zu mir, führen wir anfangs nur ein bisschen Small Talk. Wie war dein Tag? Wo kommst du her? Meine Kunden haben total unterschiedliche Hintergründe und Biografien. Handwerker und Lokführer sind darunter, aber auch Berufspolitiker oder Akademiker.

Sobald wir uns ausziehen, nackt gegenüberstehen und uns berühren, herrscht eine intime Stille. Die empfinde ich als sehr schön und entspannend. Man muss nicht mit Worten kommunizieren. Der Körper gibt genügend Feedback.

Ich achte darauf, wie der Gast auf Berührungen reagiert, wie er stöhnt. Die Stille muss sich gut anfühlen. Wenn nicht, dann passt es menschlich nicht. Es ist schon vorgekommen, dass mir jemand einfach unsympathisch war, dass wir nicht zueinandergefunden haben. Dann breche ich ab. Sonst ist es für beide Zeitverschwendung.

Nach dem Sex erlebe ich einerseits Männer, die sehr wortkarg sind, ins Bad verschwinden, sich schnell wieder anziehen. Die verabschieden sich meist nur noch kurz oder fragen, ob sie wiederkommen dürfen.

Andere Männer – und das ist eher die Regel – bleiben noch ein bisschen im Bett liegen. Und dann führen wir tatsächlich manchmal sehr tiefgründige Gespräche. Die haben das Bedürfnis zu reden. Sie erzählen mir, warum sie beruflich gestresst sind, was sie zu Hause sexuell vermissen, warum sie sich nicht mehr geborgen fühlen. Ich bin ein guter Zuhörer.

Nach etwa einer Stunde verlässt der Gast meine Wohnung. Zwischen einer halben und einer Stunde brauche ich dann für mich alleine. Da mag ich es gerne sehr still. Ich schalte die Musik aus und reflektiere das Erlebte: Was habe ich über den Körper erfahren, was über Vorlieben von Menschen? Und wie ging es mir selbst damit? Kann ich mir vorstellen, diesen Mann wiederzusehen?

Dann erst bereite ich mich auf den nächsten Gast vor, schaue mir meine Notizen aus dem Vorgespräch an, putze meine Zähne, wasche mich. Manchmal ziehe ich auch schon bestimmte Kleidung an, die sich der Gast gewünscht hat. Oder ich bereite die Fesseln vor.“

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