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Chris Jones
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Von Nutten und Bullen – Prostitution und Polizeibehörden

von Josefa Nereus

Polizist und Hure. Bulle und Nutte. Freund und Helfer in der Not und Freundin die hilft, wenn du’s nötig hast. Uns prägt ein Verhältnis, das auf tiefem Misstrauen beruht. Denn viel zu oft seid ihr für uns alles andere als Freund und Helfer. Seid eher Vollstrecker, die uns das Leben unnötig schwer machen. Viel zu oft fehlt uns das Vertrauen in euch. Wir weigern uns, euch mehr zu sagen, als wir müssen. Unseren Namen, Anschrift und Geburtsdatum – mehr bekommt ihr oft nicht aus uns heraus. Das hat Gründe.

Szene 1

St. Georg, Armutsstrich und Sperrgebiet. Es regnet immer stärker und die wenigen Menschen auf der Straße gehen schnell und schauen zu Boden.

Hier in St. Georg kann es jede treffen. Ihr macht in Zivil Jagd auf uns. Nehmt uns ins Visier. Vergrault mit eurer Anwesenheit systematisch die anständigen Kunden, die, die wir gerne öfter bei uns zu Gast hätten. Übrig bleiben die Kunden, die sich nichts um polizeiliche Verbote scheren. Ein verdammt gefährlicher Tausch, wenn ihr mich fragt. Mich fragt aber niemand.

Angst vor Geldstrafen, Haftstrafen, Abschiebungen – sie sorgt dafür, dass wir uns in die Schatten zurückziehen. Die dunkelsten Zimmer aussuchen. Am weitesten weg vom Eingang, wo ihr euch wieder mal aufgestellt habt. In private Wohnungen mitgehen, obwohl wir einen Scheiß wissen, wer oder was dort auf uns wartet. Zum Ficken ganz weit rausfahren, weit weg von euren prüfenden Blicken, gezückten Blöcken und Verwarnungen. Weit weg von Hilfe und den Freundinnen, die auf uns aufpassen.

Uns weniger Zeit nehmen können, für das wertvolle Abchecken eines Kunden – ist der normal, will der mich abzocken oder ist das so ein Psycho, der mich abstechen will? Auf der Straße ist das Risiko schon groß genug, warum macht ihr uns mit euren ewigen Kontrollen die Arbeit noch schwerer?

In St. Georg hängt das Bild von Rosa an jedem Laternenpfosten. Zerstückelt und über die gesamte Stadt verteilt wurde sie aufgefunden. Trotzdem haben wir Huren in Hamburg bisher noch kaum Fakten zu dem Fall. Es gibt keine Informationen von euch. Ob es sich um ein Serienverbrechen handeln könnte. Wie wir uns am Hansaplatz verhalten sollten. Müssten. Könnten. Und ihr stört weiter das Geschäft, faselt was von Verboten und Sperrbezirk. Warum helft ihr Bullensc… uns zur Abwechslung nicht mal?

Was bleibt und allgegenwärtig ist, ist dieses verdammte, verschwommene Bild. Ein Foto einer Frau, die Schreckliches durchgemacht haben muss. Eure Plakate lösen sich, wisst ihr das? Sie werden vom Regen aufgeweicht und verschwinden in ihrer alltäglichen Präsenz ganz langsam aus dem Blickfeld.

Aber wir Nutten ahnen es ja, haben es immer geahnt: Hier am Rand kann es jede treffen.

Szene 2

Gutbürgerliche Podiumsdiskussion in … Ein Verständnisversuch zwischen Sozialarbeiter*innen, Polizist*innen und einer sogenannten „privilegierten“ Sexarbeiterin nimmt seinen Lauf.

Ihren Vortrag hält sie an diesem Tag ganz am Ende, nach dem Kuchen. Sie ist als Sexarbeiterin geladen, die etwas aus der Praxis erzählen soll und der man Löcher in den Bauch fragen darf. Die derzeit beliebteste: Warum melden sich Sexworker nicht an? Ihr kommt schon das Kotzen, dann erinnert sie sich, dass sie freiwillig hier ist.

Erst mal das Publikum kennenlernen: Wer kommt aus der Verwaltung, wer macht Beratung? Erstaunlich viele und erschreckend schick zurecht gemachte Menschen heute hier. Der ganze Block bei den Ausgängen besteht schon mal aus Sozialarbeiter*innen. Aber die noch stärker vertretene Gruppe sind Polizist*innen. Sie korrigiert sich, jetzt hat sie wohl einige vom Ordnungsamt mitgezählt. Aber wie pflegt sie immer zu sagen, Uniform ist Uniform …

Dann fragt sie, wer Sexworker privat kennt. Zwei Sozialarbeiter heben ihre Hand. Wer seine Hand nicht hebt, lügt wahrscheinlich. Denn jeder von ihnen kennt Sexworker, die meisten wissen es aber nicht. Das Stigma versperrt ihre Lippen und lässt Lügen sprießen. Ich arbeite als persönliche Assistentin im Modebusiness, wir machen hier alle Nachtschichten. Nein, ich habe derzeit keine feste Beziehung, ich lege sehr viel Wert auf meine Unabhängigkeit. Die Unterwäsche mit dem seltsamen Ausschnitt? Nur so ein Party-Gag von dieser Junggesellinnen-Party, auf der ich letztens war.

Das Stigma ist der Grund warum Sexarbeiter*innen fast alle mit Künstlernamen arbeiten. Der Grund, warum auch die Vortragende ihre Tätigkeit am Anfang ihrer Karriere verborgen und gelogen hatte. Verbergen und lügen musste.

Beim Blick in die Menge bemerkt sie, dass die zweite Reihe komplett in ihren Smartphones versunken ist. Sie zeigt ein Video, in dem Sexworker anonym darüber sprechen, wie es sich anfühlt sich nicht outen zu können. Stigmatisierung zum Anfassen. Sie liebt die Kollegin in dem Video dafür, wie sie sagt, dass sie so vieles beizutragen hat. Und auch dafür, wie sie sagt, dass sie sich das aber nicht traut. Weil andere Fragen stellen könnten … Sie beendet ihren Vortrag mit den Worten, dass wir alle etwas tun können um das Bild der Sexarbeit in der Gesellschaft zu verändern. Dass wir den Menschen in der Branche helfen können, sichtbar zu werden. Und sie bedankt sich für die Aufmerksamkeit.

In der Regel braucht es etwas bis zur ersten Wortmeldung, aber heute hebt sich die Hand eines Mannes unmittelbar. Ein Polizist, das hatte sie sich gemerkt. Sein Ton ist feindselig. “Sie haben mit Ihrem Vortrag das Thema verfehlt. Und ich denke, dass das Publikum hier der falsche Ansprechpartner ist. Bei der Polizei in Deutschland ist Stigmatisierung kein Thema.” Seine Kollegen nicken bejahend. Ein zweiter meldet sich. „Ich habe Sie im Internet gefunden. SIE machen ja Werbung mit ihrem Gesicht…“ Eine Kollegin stimmt ein und deutet dabei auf ihr Smartphone.

Ihr fehlen die Worte. Wo lässt sich hier noch anknüpfen?

Szene 3

Josefa, Hamburger Sexarbeiterin, hat soeben den letzten Kunden des Tages an der Tür verabschiedet. Gegen den Schweinehund kämpfend, der nach dem anstrengenden Termin schon um die Ecke blickt, setzt sie sich an den Laptop und macht sich an den Text für …

Bei einer Veranstaltung die ich besuchte, betonte ein Polizist, dass seine Kollegen mindestens alle zwei Wochen eine Razzia in einem Bordell machen. Sie merken dort, dass die Frauen nicht mit ihnen reden wollen und nur im Mindestmaß kooperieren. Sie geben dem Betreiber die Schuld daran, unterstellen ihm, dass er die Frauen unter Druck setzen würde. Er erzählte, wie sie manchmal ein Dienstfahrzeug über Nacht vor der Tür stehen lassen, auch gerne mal am Wochenende. Dass der Betreiber „am Rad drehte“ weil die Kundschaft ausblieb, freute ihn.

Ich rechne im Kopf, was dieser Schwanzvergleich zwischen Betreiber und Polizist die Frauen, die dort arbeiten, wohl kostet. Gehen wir von drie bis vier Arbeitstagen im Monat und 170 Euro Tagesmiete aus, kommen die wohl kaum mehr rein. Dann noch Spezialsteuern nach dem Düsseldorfer Modell. Als Selbstständige kostet dich jeder Tag ohne Einnahmen bares Geld. Ich persönlich würde in dem besagten Bordell keinen Monat durchhalten. Im Schnitt versuchen die Kolleginnen alle zwei Monate in eine andere Stadt zu fahren, immer mit der Hoffnung, dass die Polizei dort nicht so häufig kontrolliert.

Woran Polizisten die Zuverlässigkeit eines Betreibers festmachen? In einem gewissen katholisch geprägtem Bundeland muss jeder Betreiber und jede Betreiberin das Gesetz brechen. Auf Druck der Polizei. Er oder sie wird dazu gezwungen, jede Frau die im Bordell oder einer Terminwohnung arbeitet bei einer polizeilichen „Nutten-Kartei“ anzumelden. Inklusive Ausweiskopie. Tut er oder sie das nicht, kommen die freundlichen Kollegen von der Polizei mehrmals die Woche vorbei. Diese Registrierung wurde dort hinter dem Rücken der Sexworker bereits viele Jahre vor dem ProstSchG angewandt. Ohne jegliche Rechtsgrundlage.

Seit dem ProstSchG fühlen sich inzwischen auch schon Ärzte dazu berufen, Frauen während der Untersuchung für „Privatstudien“ zu missbrauchen. Die knappe Beratungszeit wird für unangemessene Fragen nach Herkunft, sexuellem Repertoire und ähnlich intimen Dingen verschwendet. Damit Frau Doktor bei der nächsten Tagung ihre eigenen Studien vorweisen kann. Auch wenn das Gesetz dies untersagt. Die Grenzen fallen! Ich frage mich wie lange es eigentlich dauert, bis Sexworker für invasive Eingriffe missbraucht werden dürfen …

Sexworker mit deutschem Pass haben mindestens ein ungutes Gefühl, wenn wir Polizist*innen im Job begegnen. Die meisten von uns fürchten sich, dass sie mit bürgerlichen Namen als Prostituierte aktenkundig werden. Als Sexworker höre ich regelmäßig von Razzien oder bin von ihnen betroffen. In München manchmal sogar mehrmals im Monat.

Und es gibt Spinner, das glaubt kein Mensch! Die versuchen uns mit dieser Masche auch noch abzuziehen. Die versuchen, Sex oder Geld, manchmal sogar beides, von uns zu erpressen! Viele meiner Kolleg*innen kommen übrigens aus Ländern, in denen die Bullen nicht nur „Ärger“ machen, wie hier. Sondern auch erpressen! Vergewaltigen!

Und im heiligen Deutschland? Wenn wir vergewaltigt werden, schickt ihr uns weg! Wenn man uns stalkt, sind euch die Hände gebunden! Und wenn wir getötet werden, SPRECHT IHR NICHT DARÜBER!!

Szene 4

Gleicher Ort. Der Schreibtisch sieht aus, als hätte ihn ein wütender Wirbelsturm getroffen. Der Stuhl ist gekippt, der Laptop liegt am Boden. Stifte und Unterlagen sind ebenfalls am Boden verstreut. Josefa sitzt mit dem Rücken zu uns und raucht schweigend.

Szene 5

Gleicher Ort, ein paar Stunden später. Josefa liegt gemütlich und entspannt am Bett und hört dem Regen durch die Fensterscheiben zu. Sie hat beschlossen den Text nochmal ganz neu zu denken und will diesmal ihre Gedanken ordnen. Sie greift sich Block und Stift.

Worum soll es gehen? Auf welches Problem möchte ich aufmerksam machen?

– Stigmatisierung von Sexworkern (Transpersonen und Männer nicht vergessen)

– Wie Kriminalisierung von Sexarbeit Gewalt etc. erhöht

– Migrantinnen: Werden abgeschoben, noch weniger Schutz als Deutsche, wenig Rechte. Anti-Sexkaufgesetze bringen auch in anderen Ländern keinen Schutz. Viele Nachteile für Sexworker (evtl. Beispiel Neuseeland versus Schweden)

– Unterschied Menschenhandel Zwangsarbeit – unterschiedliche Phänomene, Zusammenmischen der Begriffe sinnbefreit!

– Kriminalisierende Gesetzgebung erhöht Polizeigewalt und Gewalt durch Kunden

– Sexworker müssen auf weniger belebte Gebiete ausweichen (Gefahr, insb. Straßenstrich erwähnen!!)

– Zwangsregistrierung erhöht Stigma (+ Gefahr Datenleaks!)

etc.

Was möchte ich erreichen?

– Reaktionen provozieren

– Polizei adressieren, dennoch zu einem Gespräch einladen, damit sie sensibler werden und bessere Arbeit machen

– Herausfinden, was es braucht, damit Sexworker und Polizei in irgendeiner Zukunft ZUSAMMEN arbeiten können

– ???

ENDE.

Edition F – 25 Frauen Award geht an Wissen. Macht. Sex!

Sex Blog Logo Wissen Macht SEx

Natürlich habe ich schon vom 25 Frauen Award gehört und schon 2 Jahre zuvor davon geschwärmt, aber nicht zu träumen gewagt. Dennoch oder genau darum: Es hat mich schon sehr überrascht, als ich in meinem Postfach eine E-Mail aus dem Haus Editoin F fand. Hmmm.. wahrscheinlich eine Interview Anfrage dachte ich mir, als ich dem Empfänger las, aber weit gefehlt! Eine saftige Überraschung wartete auf mich: Mir wurde mitgeteilt, dass aus über 1000(!) Vorschlägen meine Arbeit  für die Sexworkerbewegung ausgesucht wurde und ich nun für den 25 Frauen Award nominiert bin und so fand sich mein Name unter 50 großartigen Frauen, die mit ihrer Stimme unsere Gesellschaft verändern.
Wow, was für eine unglaubliche Ehre, Wertschätzung und tolles Zeichen!

Am 17. Mai war es dann soweit und die Gewinnerinnen wurden in Berlin gekürt. Zum Händchenhalten nahm ich meine Kollegin, Freundin  und langjährige Mitstreiterin Charlie Hansen mit, die mich immerzu ermuntert. In 5 verschiedenen Kategorien wurde ausgezeichnet und auch wenn ich die Hoffnung nach 23 ausgezeichneten Frauen schon aufgegeben habe wurde ich dann doch in der Kategorie Selbstbestimmung ausgezeichnet und auf die Bühne gerufen. Was für eine Ehre, was für ein Abend, was für eine tolle Geste für die deutsche Hurenbewegung!

Dazu gab es einen fantastisches Interview, dass du hier nachlesen kannst.

00Sex – Was Agenten und Huren gemein haben

Fahrrad, Begleitung

Die Gelegenheit, zu denen ich etwas schreibe werden immer seltener, aber immer besser! … und immer politischer. Wie ich das ändern kann überlege ich mir schon…!
Ich möchte mich für eine tolle Zusammenarbeit bedanken. Zusammen mit Laura-Solmaz Litschel von ragazza e.V., Norbert Holzt und der Friedrich Ebert Stiftung konnten wir in dieser Woche vor 100 Menschen aus NRW etwas von der Situation der Sexarbeiter berichten. Vielen Danke, es hat viel Spaß gemacht!


Kleiner Exkurs
In der Branche ist es eine wahre Seltenheit, vor allem unter den kinderlosen Kolleginnen wie mir, aber ich bin eine Frühaufsteherin und mein Arbeitsalltag beginnt um 6.30 Uhr in der Früh. Bereits in den ersten 15 Minuten des Tages halte ich mein Smartphone in der Hand und verschaffe mir eine Übersicht, was seit dem Abend in meinem Postfach passiert ist. Nach dem morgendlichen Ritual und einer Übersicht meiner Termine und Aufgaben mache ich mich daran den Emailwahnsinn zu bezwingen. Oft dauert es 1 Stunde, manchmal aber auch länger bis ich meine Mails durchgearbeitet und beantwortet habe.  Anders als meine Kolleginnen die mit Kontaktanbahnungsverbot arbeiten, kann ich mir alle Zeit lassen die ich brauche, um zu überlegen ob ich einen Gast möchte oder ihn lieber ablehne. Ich brauche meist nur wenige Minuten dafür. Es sind wenige Minuten in denen ich hoch konzentriert und wachsam meinen Katalog an Bedingungen für und wieder ein gemeinsames Treffen abhake.
Noch vor 1,5 Jahren waren es die Hotels rund um die Alster in denen ich nachts meinen Unterhalt verdient habe, heute arbeite ich in einer Wohnung für mich allein. Kurze Wege, mein eigener Putzplan und mein Händchen für Inneneinrichtung, doch das Wichtigste: Ich habe meinen eigenen Arbeitsplatz und kann bequem am Tag mein Geld verdienen.

Ab 9 Uhr empfange ich meine Gäste und bin telefonisch zu erreichen. Fred ist ein Gast, der um 8.30 Uhr anruft, auch wenn er mich zu dieser Zeit noch nie erreicht hat. Warum er nach 2 Jahren immer noch versucht mich um die Zeit zu erreichen? … ich weiß es nicht. Um Punkt 9 Uhr schreibe ich ihm eine SMS: “Moin Fred, möchtest du mich mal wieder besuchen?“ Er schlägt mir dann 2 Termine vor und ich bestätige: “Freitagnachmittag passt super!” Ich sende “Liebe Grüße und eine gute Zeit bis dahin.” Am Telefon braucht Fred 15 Minuten dafür. Ja Sie vermuten richtig: Fred gehört zu den Gästen die besondere Aufmerksamkeit benötige, die anspruchsvoll im Umgang sind oder wie ich es einfach sage: Fred nervt! Er sabbelt viel und gerne, meistens über Dinge die mich gar nicht interessiere. Er möchte am liebsten immer mit den Dingen spielen die gerade nicht im Angebot sind und viele meiner Sätze gehen so: Nein Fred, wir benutzen wie schon die letzten 2 Jahre ein Kondom. Nein Fred ich möchte nicht, dass du in meinen Wohnzimmerschränken herum stöberst. Nein Fred, wir haben einen höheren Preis abgemacht. Er braucht es stetig Grenzen gesetzt zu bekommen, ähnlich einem Kleinkind. Der ausgelassene Sex mit ihm macht mir aber viel Spaß. Mit viel Aufmerksamkeit und beharrlichen Durchsetzungsvermögen meinerseits sind mir unsere Treffen angenehmer als ein Tag mit Aircondition im Großraumbüro. Er ist sauber und gepflegt, immer pünktlich und bucht meist für mehrere Stunden. Glauben sie mir Gäste in Schach zu halten ist möglich, mit simplen Strategien, die die meisten Frauen bereits vor der Sexarbeit erlernen. Ich gebe zu, manchmal ist es sehr anstrengend und nach einem Termin mit Fred bin ich müde und möchte einfach nur meine Ruhe, darum trage ich meinen Feierabend gleich nach seinem Termin ein. Nein zu sagen und auf sich acht zu geben ist kein Privileg der Frauen die ihre Dienste für 250 Euro oder mehr an den Mann bringen. Nein zu sagen ist ein Grundrecht!
Aber eigentlich möchte ich Ihnen nicht erzählen, wie mein Job funktioniert. Viel lieber möchte ich davon erzählen, wie es nach meiner Arbeit zugeht. Den auch wenn ich zuhause arbeite: nach einer Dusche und frischer Bettwäsche, mache ich mein Handy aus, ziehe mir etwas bequemes an und schaue mir eine serie auf Netflix an. Etwas anderes als bei Ihrem Feierabend beginne ich zum Feierabend auf einen anderen Namen zu hören und -ich bin nicht stolz darauf- aber ich lüge als Hure nach Feierabend so viel wie in meinem ganzen Leben nicht.
Ich möchte Ihnen von den Schattenseiten erzählen, die der Beruf Prostituierte mit sich führt. Ich möchte von der Einsamkeit und der Ausgrenzung sprechen, die ein gesamter Berufsstand erlebt und von dem reale Leidensdruck und wo er wirklich stattfindet. Es sind nicht die Männer denen wir begegnen, die wir fürchten. Wir fürchten uns vor den Reaktionen der Gesellschaft und derer die uns am Nächsten sind.

Der einfache Weg
Noch vor meinem aller ersten Auftrag lernte ich 2 Kolleginnen bei einem Footoshoting kennen. Wir wurden für unser Profil abgelichtet und wurden geschminkt, frisiert, gestylt. Während wir uns umzogen hörte ich den beiden zu, stellte meine Fragen an sie und in Nebensätzen klang bei den beiden mit, dass irgendjemand aus ihrem Umfeld nicht mehr mit ihnen sprach oder wie sie es geheim halten, dass sie als Hure arbeiten. In den letzten 3 Jahren hörte ich mit jeder Kollegin die ich kennenlernte, eine weitere traurige Geschichten über Verlust. Über Kontaktabbrüche in Familien, die Kündigung der Wohnung und dem Ende von Freundschaften. Manchmal hörte ich abenteuerliche Geschichten von improvisierten Flunkereien bis zu hollywoodreifen Einlagen um den Job als Hure vor Freunden, Familie und anderen Arbeitgebern zu verschweigen.
Damals ahnte ich, was für Zusammenhänge dazu führten. Bereits bei meinen Überlegungen im Vorfeld las ich Artikel, Blogbeiträge und Kommentare. Dort las ich von fürchterlichen Geschichten die Frauen in der Prostitution zustoßen und ich konnte es mich nicht vorstellen. Den ich sprach mit Sexarbeitern und machte meine eigenen Erfahrungen als Sexarbeiterin und sie hatten nichts damit zu tun. Mir begegnete keinen Zwang, kein Ekel und ich sah auch keine Gewalt. Ich konnte es nicht zusammen bringen was diese Bilder und meine gemein haben sollen. Noch weniger konnte ich es anderen Menschen um mich herum erklären. Ich gebe zu ich wählte den einfachen Weg und entzog mich diesen Konfrontationen mit Lügen.

Meine Lügen begannen morgens beim Brötchen kaufen, wenn mich Sammy fragt, warum ich heute so verschlafen aussehe. Ich log, ich habe schlecht geschlafen, statt ehrlich zu sagen, dass die Nacht lang und arbeitsreich war. Bei Freunden und Bekannten flunkterte ich, wenn ich nicht auf ein Bier vorbeikkam, weil ich ein Date hatte oder ich belüge meinen Kollegen im Nebenjob, was mir immer wieder Bauchschmerzen verursacht. Bei Partys, beim Grillen, am See … ich hatte immer im Hinterkopf, wem hat man was gesagt? Kennen die sich und haben gegensätzliche Informationen??  Ist mir irgendwo ein Fehler unterlaufen??? Die Angst ist groß, allgegenwärtig und wird auf Dauer zu einer riesigen Belastung. Für die Frauen die ihre Dienste am Hansaplatz anbieten ebenso wie die die im Luxushotel arbeiten. Wie ein Agent schlich ich mit meiner Legend durch mein Leben, immer wieder sogar durch mein Zweites. Für den Kopf und das Herz werden soziale Interaktionen zu einem anstrengenden Hindernisparcour.

Auch untereinander ist der Umgang mit Kolleginnen häufig distanziert und einige wollen bewusst keinen Kontakt zu anderen Sexworkern. Bei vielen passen Lebenswelten nicht zusammen. Am Tag Mami sein und nachts im Bordell arbeiten passt nicht gut zur jungen Studentin, die ihre Semestergebühren bezahlen muss und sich auf Events ihr Gäste angelt. Bei anderen soll das Thema einfach nicht noch mehr Raum einnehmen. Denn auch diese Treffen müssen vor Freunden und Familie verheimlicht werden. Noch eine Person, deren Name nicht unüberlegt fallen darf…Ein Doppelleben zu führen ist sehr anstrengend und verändert die Identität. Ich habe meine Belastungsgrenze nach etwas mehr als einem Jahr gefunden, manch andere begleitet diese Angst durch viele Berufsjahre.

Das Outing
Mit der Zeit viel mir das Lügen immer schwerer und das Korsett in das ich mich selbst geschnürt habe schnitt mich immer mehr ab. Ich wollte die Distanz zu den Menschen um mich herum abbauen und ich sein können. Als eine lebensbejahende Person, die das Stadtleben mag, gerne Blumen kauft und ihren Unterhalt mit Sex verdient. Ich liebe selbst gekochtes Essen, fotografiere gerne und verabrede mich mit meinem Smartphone zu Sex mit fremden Männern. Es ist mir ein Bedürfnis meine Erfahrungen bei all diesen Dingen mit anderen Menschen zu teilen, mit Respekt behandelt zu werden und anderen dabei zu helfen sich mitzuteilen. Es gab diesen Punkt, an dem ich begriff, dass ich mit all den Lügen nichts mehr unbeschwert erleben kann und mich immer mehr von den Menschen in meinem privaten Umfeld zurück zog und immer weniger Menschen in mein Leben hinein lies. Das wollte ich ändern. Ich fasste den Entschluss mich zu outen und mein Weg begann vor fremden Personen. Eine politisch aktive Kollegin sprach mich an, ob ich vor ein paar Teilnehmern etwas von meiner Arbeit berichten möchte. Es waren Bildungsurlauber und Urlauberinnen aus der Verwaltung vor die ich trat und aussprach: Ich verdiene mit Sex mein Geld und beantworte ihnen gerne ihre Fragen rund um das Thema.
Ihre Fragen halfen mir zu verstehen, was andere Menschen über den Beruf und die Menschen denken und mit welchen Attributen sie Nichtwissen füllen. Dadurch fand ich heraus, wie ich ihnen meine Welt und Erfahrungen näher bringen kann und es half mir die Befürchtungen und Unsicherheiten der Absender zu verstehen. Darüber reden zu können und Gehör zu finden war auch eine wichtige Erfahrung. Wenn ich mich den Fragen der Menschen stellte, gibt es immer wieder auch Begegnungen mit Menschen die ein stereotypes Bild von einer Prostituierten haben und Sexarbeiter unbedingt dort hinein zwingen wollen. Danach muss ich eine Frau sein die immer passiv ist und die nicht in der Lage ist mit klarem Verstand für sich einzustehen. Die Wahl des Lebensentwurfs als “selbstständige” Sexarbeiterin ist bedauernswert und findet in einem Rahmen statt, der gefährlich und kriminell ist! Natürlich versuche ich bereits am Anfang einzugrätschen: Stopp! Du gehst davon aus, dass ich Probleme habe, die nicht da sind. Ich mag bezahlten Sex, natürlich kann ich mich einem Mann gegenüber durchsetzen und möchte mich nicht ständig dafür rechtfertigen, dass ich mein Leben so lebe, wie ich es lebe. Doch manche sind nicht zu überzeugen. Sie sind angewidert von der Art, wie ich meine Sexualität lebe und gestalte, sie bezweifeln offen meinen Geisteszustand und Entscheidungsfähigkeit und werfen mir vor, mein Lebensentwurf verdebe ein, nein gleich beide Geschlechter.

Es ist das eine sich vor fremden Menschen aus fremden Städten zu offenbaren und ihre Reaktionen zu ertragen, als die der eigenen Freunden und Verwandten und ich schob es noch ein paar Monate auf mit meinem Vorhaben. Als ich mich dann endlich dazu durchrang gab es großartige Reaktionen und Menschen. Manche waren interessiert und offen dafür.. es waren 2 Menschen. Es waren zwei weitere Menschen die mir mit ihrer Reaktion wirklich sehr weh getan und unsere Wege führen seither voneinander weg.
Sie fragte, ob es nicht ekelhaft sei mit all den Männern. Sie könne es sich nicht vorstellen und dann auch noch eine “Arbeit” daraus machen? Nein, das ist unvorstellbar eine Unmöglichkeit und ich müssen doch verrückt sein so etwas zuzulassen.
Er sagte, dass er es mir einfach nicht glauben werde, dass mich keiner meiner Gäste schlägt. Einer von ihnen habe mich sicher misshandelt und wahrscheinlich erfahre ich immer wieder Gewalt. Das es anders sei, könne er sich nicht vorstellen und es sei eine Unmöglichkeit. Ich müsse von Sinnen sein so etwas zulasse.
Überzeugt, ich sei krank oder in Gefahr bot mir keiner der beiden Hilfe an sondern sie sagten nur, dass das was ich da mache schlecht für mich und alle anderen sein. Egal ob sie mich seit 7 Jahren oder er mich seit 7 Wochen kennt, sie sind davon überzeugt mir, meinen Worten und Entscheidungen nicht trauen zu können und nicht Neues mehr durch mich zu erfahren. Sie wissen bereits, was mich und meine Arbeit auszeichnet. Was auch immer ich sage sie sehen nicht mehr mich, sondern ein verzerrtes Bild, einer Frau, mit der sie reden können, wie es ihnen beliebt. Verrückte, Lügnerin, Verräterin. Unwürdig, ahnungslos, missbraucht. Ekelhaft, schmutzig, unmoralisch! Das sind die Attribute, die Menschen immer wieder benutzten um mich und meine Arbeit zu beschreiben und ihr Unwissen zu füllen.

Mein Outing war auch auf anderen Ebenen eine Enttäuschung. Anders als gedacht lüge ich immer noch. Wesentlich seltener als zuvor, aber es kommt immer noch vor, wenn ich vermeiden möchte das Hauptthema der Küchenparty zu werden oder im Zug neue Leute kennenlerne. Auf die Frage was machst du so antworte ich schnell „ich sitze hier rum“ und lenke auf ein anderes Thema.
Was mir der ganze Aufriss gebracht hat? Ich habe mir meine Selbstachtung zurückgegeben und ich habe nein gesagt, nein zu veralteten Vorstellungen passiver weiblicher Sexualität, nein zum Bild der Hure als Missbrauchsopfer und nein zu den Menschen, die mir mein Leben vorschreiben wollen und sich moralische Urteile darüber erlauben. Sonst gibt es niemanden, der das für mich tut und darum hat es sich trotz aller Enttäuschung, Verurteilung und Ablehnung gelohnt. Es hat sich gelohnt, weil mir 2 Menschen geblieben sind, die mich in meinen Entscheidungen unterstützen und mir zuhören und weil ich nach allem der Überzeugung bin das Richtige mit meinem Leben anzufangen.

Ich wollte Ihnen etwas über die Schattenseite der Prostitution berichten und hoffe, Sie haben einen plastischen Eindruck bekommen. Prostitutionsgegner weigern sich darüber zu sprechen, sind sie doch Teil dieses Problems und in der Branche schweigen wir uns gerne über diese alltäglichen Demütigungen aus. Aus Scham, Trauer oder aus Angst. Wie eingangs erwähnt, trifft dieses Wundmal, das Stigma, das anders sein, nicht nur Frauen die in prekären Situationen arbeiten, sondern es betrifft die breite Mittelschicht, ebenso wie das HighClass Segment. Es überschattet unsere Leben während der Arbeit, im Feierabend und nach dem Berufsausstieg!
In den Verwaltungen der Länder arbeiten viele an der Umsetzung eines Gesetzes, dass unsere Situation weiter verschärfen wird. Es liefert uns keinen Schutz vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, wenn unser Doppelleben auffliegt und auch keinen Schutz davor, dass andere uns wie Menschen 2. Klasse behandeln. Es liefert keinen Schutz vor einem Staat, der dieses Leid mit Ausweisen und Registrierung befeuert. Wir wollen keine Post von Behörden nach hause bekommen, in dem steht, dass wir Prostituierte sind. Wir wollen auch nicht in Registern auftauchen und befürchten, dass wir bei Sorgerechtsstreitigkeiten, bei der Berufswahl oder bei den Plänen welche wir auch immer verfolgen, diesen Teil unseres Lebens in den Mittelpunkt und uns aus dem sozialen Leben zerren.

Ich wollte meinen Vortrag mit einer positiven Aussage beenden und überlege seit der ersten Anfrage vor ein paar Monaten, wie ich das anstellen soll. Heute morgen um 6.35 Uhr habe ich es aufgegeben. Als Sexarbeitende, Privatperson und als politisch Aktive bleibt mir nur eines zu sagen: Das beste, was sie für die Menschen in der Sexarbeit tun können ist dieses Gesetzt nicht umzusetzen! Auch wenn Sie diesem Ungehorsam nicht nachgeben können, nutzen sie bitte die Schlupflöcher, die es bietet und haben sie im Hinterkopf, dass Anonymität und Datenschutz uns am meisten nützen.

 

Ein Filmtipp: SEXarbeiterin mit Lena Morgenroth

Josefa Lena Sexarbeiterin

 

Zum ersten Mal hörte ich von dem Filmprojet „SEXarbeiterin“ Ende 2014, als ich auf diesen Aufruf stieß. Die Sexarbeiter Lena Morgenroth und das Team um Sobo Swobodnik bewarben auf witzige Art und Weise ihre Idee und machten neugierig auf einen vielversprechenden Film. Ich bin fasziniert von der Achtsamkeit und dem Mut sich dem Thema in einer Dokumentation zu nähern, das Projekt durch Sexarbeit zu finanzieren und war sofort gespannt auf die Einblick, den der Film auf Lenas Lebensentwurf wirft. Im März 2016 durfte ich zusammen mit anderen dann endlich das fertige Werk bewundern. Für das lange Warten wurden die Zuschauer sehr belohnt. In ruhiger Weise ist ein Porträt entstanden indem eine junge Frau ihren Weg gefunden hat ihr Leben freie und selbstbestimmt zu gestallten. Das beinhaltet in Lenas Fall, viel Bahn fahren, kochen und essen mit lieb gewonnenen Menschen und das genießen von Körperlichkeit mit verschiedenen Männern und Frauen.

Ich persönlich freue mich sehr darüber, dass auch die schönen Seiten der Sexarbeit gezeigt werden und hoffe, dass Lena mit ihrer Arbeits- und Lebensweise als Vorbild verstanden wird, wie das Ziel Sexarbeit gestallten werden kann:  Menschlich, warm und für alle Beteiligten befriedigend!

In Hamburg können wir das Werk am 02.06.2016 ab 17.30 Uhr im B-Movie in der Brigittenstraße 5 – im Hinterhof bewundern. Danach sind alle herzlich eingeladen ihre Fragen u.a. an mich zu stellen und an einer regen Diskussion teilzunehmen. Wir freuen uns auf euren Besuch.

 

Frivoles Ausgehen

Josefa frivol

Stell dir vor …

… du bist unterwegs und plötzlich haucht dir eine aufregende Frauenstimme etwas ins Ohr. Ich bin direkt hinter dir und erzähle dir davon, wie ich gelangweilt umher sah und dich entdeckte. Lass dir nichts anmerken, während ich dir erzähle, wie meine Hand unter meinen Rock schlüpft. Ich berühre mich zärtlich. Um uns herum sind ahnungslose Menschen, aber DU riechst mein Parfüm, spürst mein zartes Stöhnen in deinem Nacken … so nah bin ich dir und …

Stell dir vor …

… du, ich und eine kleine Fernbedienung in einer Bar. Entspannte Musik, wir unterhalten uns angeregt, nippen genüsslich an unseren Drinks und du betätigst den Regler … du setzt den Impuls für gute Vibes, die meinen Schoss, meine Brust und meinen Kopf durchströmen.

Mit einem wissenden Lächeln betasten wir uns vorsichtig und..

Stell dir vor …

… wir sind auf dem Weg ins Restaurant. Seit unserer Begrüßung fragst du dich, wo unter diesem kleinen schwarzen noch Platz für Dessous ist. Es lässt dich nicht los und du beobachtest meine Rundungen beim gehen, sitzen und lachen. Ob ich mein Geheimnis mit dir teile oder du es selbst herausfindest und..

Sexarbeit – Motivation, Arbeitsmodelle und Selbstverwirklichung in der Prostitution

Josefa Nereus Sexarbeiterin

Hinter dieser Überschrift steckt mein Vortrag zum Sexarbeits-Kongress 2016. Gleichzeitig ist mir ein intimes Portrait meiner Vorstellung von Sexualität gelungen. Ich bin sehr glücklich, dabei gewesen zu sein, um anderen von den schönen und positiven Seiten der Sexarbeit berichten zu können.

Motivation

Seit meiner ersten Masturbation gehört Sexualität in all ihren Formen zu meinen liebsten Beschäftigungen. Ich bin bis heute fasziniert von der Intensität und Vielfältigkeit, die das Thema bereithält. Der Kontakt zu Menschen, der Flirt und der Akt an sich sind für mich ein Vergnügen, dem ich mich gerne tagtäglich hingebe. Dabei möchte ich mich nicht auf einen Partner beschränken, sondern genieße mit wechselnden Partnern wechselnde Praktiken und Einflüsse. Keinem anderen Thema schenke ich so gerne meine Hingabe und meine Zeit. Als Mensch, der gerne viel Verkehr hat, muss man einiges an Zeit investieren. Besuche in Bars und Clubs, das Pflegen von Profilen auf Kontaktbörsen, endlose Gespräche mit potenziellen Sexualpartnern. Nicht zu vergessen: der Sex natürlich. Es bedeuten einen immensen Zeitaufwand, der neben einem regulären 40 Stunden Job kaum zufriedenstellend zu bewältigen ist. Eines kam in meinem Leben meist zu kurz. Zu meinem Nachteil war es meine eigene Sexualität. Oft hörte ich von anderen: „Warum nimmst du denn nicht gleich Geld dafür?“ und auch wenn sie es nicht so meinten: Es war für mich die perfekte Geschäftsidee! Lasse ich mich für den Sex bezahlen, den ich eh habe, kann ich es mir erlauben, weniger zu arbeiten und habe auf diese Weise mehr Freizeit.

Arbeitsmodelle in der Sexarbeit

Die Sexarbeit bietet viele Arbeitsmodelle, die es ermöglichen, sich seine Arbeit flexibel an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. So stand ich zunächst vor einem Katalog von Fragen: Möchte ich lieber alleine oder mit anderen arbeiten, möchte ich mein Marketing selbst in die Hand nehmen oder an eine Agentur abgeben. Lieber am Tag oder in der Nacht arbeiten? Wo möchte ich überhaupt arbeiten? Auf der Straße, in einer Wohnung, in einem Bordell oder in Hotels. All diese Freiheiten standen und stehen mir zur Verfügung. Ich bin Selbstständige, eine Freiberuflerin und als solche niemandem unterstellt oder weisungsgebunden. Ich versichere mich selbst, zahle Steuern und entscheide, wann ich welche Anfragen nach welchen Kriterien annehme. Als Sekretärin, Mediengestalterin oder Entwicklerin konnte ich nicht frei entscheiden und wurde von Kunden, Vorgesetzten oder Kollegen schlecht behandelt. Ich konnte nicht wie heute meinem Ärger Luft machen und diese Personen auf meine Blacklist verbannen. Kaffee holen, Egos hätscheln oder die Visionen anderer umsetzen, dass gehörte in diesen Berufen zu meinem Alltag. Ich versichere ihnen, dies alles gehört nicht zu meinen bevorzugten Tätigkeiten. Ich verdiente mit diesen Berufen zu wenig, um mir die Freizeit gönnen, die ich möchte und ich erhalte nicht die Befriedigung, die ich mir von meiner Arbeit wünsche.

Selbstverwirklichung in der Sexarbeit

Befriedigung, ein gutes Stichwort: Geld auf den Tisch, rein raus und abspritzen? Weit gefehlt! Als Sexdienstleisterin habe ich die Möglichkeit, Menschen dabei zu helfen, ihre Bedürfnisse nach Entspannung, Zärtlichkeit und Sexualität zu erfüllen. Ich spende ihnen Lebensfreude und Vitalität und in den meisten Fällen bekomme ich diese von ihnen zurück. Zum Beispiel von einem Geschäftsmann, der 60 Stunden in der Woche arbeitet und als Nomade durch die Welt reist. Er wünscht sich eine sinnliche Frau, die ihm die Nacht versüßt und darum ruft er mich an. Wir gehen aus und dabei bemerke ich, wie mein Gegenüber immer mehr zur Ruhe kommt. Er nimmt eine entspannte Körperhaltung ein und sein Lachen wird herzlich und unbekümmert. Wir verbringen einige schöne Stunden und gehen rechtzeitig schlafen, denn am nächsten Morgen hat er einen wichtigen Termin. Vor dem Aufstehen legt er sich in meine Arme und genießt einige Momente der Ruhe und Erholung, bevor er sich auf seinen Tag vorbereitet. Noch bevor wir uns verabschieden, betrachte ich seine Erscheinung, zupfe hier und da seinen Anzug zurecht und sage ihm, dass er umwerfend aussieht und an diesem Tag nichts schiefgehen kann. Am späten Abend bekomme ich eine SMS: „1000 Dank für die tolle Zeit! Der Tag verlief mehr als erfolgreich!“

Immer wieder arrangieren sich Männer damit, dass ihre Partnerinnen kein Interesse mehr am Sex haben oder die sexuellen Wünsche nicht übereinstimmen. Einer von ihnen wendet sich an mich, da ihm meine Ausstrahlung gefällt. Nach einem Telefonat ist er sich sicher, mit einer sexuell kompetenten Frau lustvolle Stunden zu erleben. Bei seinen Fantasien stehe ich ihm zur Seite, kann ihm die Grenzen des Machbaren aufzeigen und meine Kreativität und Lust einbringen. Er verschwand nach unserem Spiel im Badezimmer und pfiff dort ausgelassen ein Lied unter der Dusche. Nach einigen Wochen schrieb er mir, dass es ihm sehr gut getan hat, Zeit mit mir zu verbringen und er in seinem alltäglichen Leben mehr Ruhe gefunden hat. Ihm ist jetzt bewusst, dass er mir seinen Bedürfnissen nicht mehr alleine ist. Es gibt  Personen, mit denen er sie teilen kann.

Sie sehen, es geht nicht nur um Sex! Es geht um tiefe Bedürfnisse, Emotionen und Menschlichkeit. Die Menschen schenken mir ihr Vertrauen, um sorgsam mit ihren intimsten Wünschen umzugehen. Diese Wünsche sind selten abgedrehte Fantasien, sondern Spiele des ganz normalen Spektrums menschlicher Sexualität. Ich hole sie ab, wenn sie nach einem Tag gestresst sind, frustriert nach einer gescheiterten Beziehung oder sie unsicher sind, was ihre eigenen körperlichen Bedürfnissen angeht. Zusammen mit ihnen erarbeite ich Szenarien, in denen sie sich auf sich fokussieren könne, sich und ihren Körper spüren dürfen und fern von den wertenden Blicken der Gesellschaft loslassen und sie einfach sie selbst sein dürfen. Viele meiner Kunden nehmen dieses Gefühl mit in ihren Alltag hinein und werden ruhiger, ausgeglichener, fröhlicher. Etwas, das ich als Mediengestalterin, Sekretärin oder Entwicklerin nicht geschafft habe. Ich mache andere Menschen glücklich und zufrieden mit meiner Arbeit, während ich selbst glücklich und zufrieden mit meiner Arbeit bin!

Es war mir eine große Freude mit diesen Worten ein Teil des Kongresses gewesen zu sein und die Möglichkeit genutzt zu haben, Stimme zu ergreifen. Besonderen Dank an Johanna Weber!

Der Ton macht die Musik

Josefa, Nippelklemmen, Bizarr

Auch als Escort pflege ich mein Faible für Technik und nehme mein liebstes Spielzeug immer mit mir.  Es versetzt mich und meine Umgebung in Schwingung und verbreitet stets gut Laune. Ich rede natürlich vom Bose SoundLink Mini! Einem kleinen Bluetooth Lautsprecher, der mit seinen kompakten Maßen in jede Tasche oder Reisegepäck passt und dessen Klang mehr als überzeugend ist. Perfekt um jedes Zimmer nach Lust und Laune in ein kleines französisches Bistro oder eine verruchte Bar zu verwandeln. Bereit die Hüften schwingen zu lassen?

Ein lang gehegter Wunsch

Hotelbesuch, Hamburg

Escort mal anders

… ein langgehegter Wunsch

„Was für ein Mann! Was ihn wohl so strahlen lässt?“, denkt sich eine Dame am Empfang, als er versucht unauffällig Richtung Aufzug zu gelangen. Seine Vorfreude und Aufregung lassen ihn leuchten und umgeben ihn mit einer geheimnisvollen Ausstrahlung.

Nur er weiß: „Ich bin auf dem Weg zu ihr!“

Die Fahrstuhltür schließt sich und er betrachtet noch einmal seine Erscheinung. Sitzt die Frisur … und was ist mit dem Hemd? Ja, er sieht perfekt aus … für sie!

Nur noch wenige Stockwerke und er fühlt die freudige Erwartung von seinen Beinen Richtung Brust aufsteigen. Ob sie seine Aufregung gleich bemerken wird?

Die Fahrstuhltür öffnet sich … Jetzt sind es nur noch wenige Meter, die er äußerlich wie selbstverständlich zurücklegt, dabei innerlich vor Erregung tausend Tode stirbt.

„Ich brauche dich, nur dich!“, hatte sie Stunden zuvor in das Telefon gehaucht.

„Warte auf mich im Elysée! Ruf mich wegen der Zimmernummer an.“ Nachdem er aufgelegt hatte, wich seine Gelassenheit einem schelmischen Lächeln, während seine Finger sich zärtlich vom Hörer verabschiedeten.

Zimmer 310. Er ist angekommen!

Sein Herz pocht laut, er setzt zum Klopfen an, doch da gibt die Tür schon nach und er kann ohne Hindernisse einfach hinein schlüpfen …

Zu ihr …